Pressetext Kopfkino-Kunstprojekt - Zu Projekt und Ausstellung April 2021

 

 

Worum geht’s?

 

Das Kopfkino-Kunstprojekt ist inklusiv, interaktiv und experimentell. Es gibt bisher kein vergleichbares Kunstprojekt mit dieser Thematik.

 

Die Unterschiede zwischen Vorstellung und Wahrnehmung, zwischen Blindheit und organischem Sehen werden erlebbar. Die Ausstellung hat experimentelle Facetten und wird besonders für blinde, seh- und hörbehinderte Besucher barrierefrei umgesetzt. Das Projekt richtet sich an neugierige und interessierte Menschen ab 6 Jahren.

 

Im Kopfkino-Kunstprojekt geht es um Reflektion, gegebenenfalls um Selbstkorrektur und den Abbau von Vorurteilen. Die Besucher erfahren in der Ausstellung etwas über ihre Vorstellungskraft und Bewertungskategorien. Sie bekommen auch eine erste Idee davon, wie blinde und stark sehbehinderte Menschen andere Menschen wahrnehmen.

 

Organisch sehende Menschen wissen zu wenig über den Alltag eines blinden Menschen; über seine Wahrnehmungs- und Vorstellungsebenen. Sehende Menschen stützen sich häufig primär auf optische Informationen und vernachlässigen andere Sinneswahrnehmungen und Informationsquellen. Das kann zu Benachteiligung, Fehleinschätzung und Diskriminierung führen. Die Erfahrungen mit blinden Teilnehmern in den Workshops und Ausstellungen des Kunstprojektes ‚Schubladen‘ (www.schubladen.online), zeigen eindrucksvoll, dass Interaktion und Kunst mehr als geeignete Mittel sind, um Menschen miteinander in Kontakt zu bringen und Vorurteile abzubauen.

 

 

So entstand das Projekt

 

Neben der Künstlerin und ihrem Team, sind 12 Interviewgäste und ihre 6 Profiler*innen Teil des Projektes. Die Gruppe der Interviewgäste ist bunt und inklusiv: jung und alt, mit diversen Geschlechtsidentitäten, angestellt oder selbstständig tätig, mit diversen sexuellen Orientierungen, verschiedenen Ethnien, mit unterschiedlichem Bildungsgrad, mit und ohne Behindertenausweis. Sie sind in der Ausstellung zu hören und zu sehen.

 

Die drei Profilerinnen und drei Profiler haben Berufe, die die Fähigkeit Menschen einschätzen zu können, voraussetzt: eine Schulleiterin (erblindet), eine Richterin (erblindet), eine Krankenpfegerin aus der Psychiatrie, ein Richter, ein Seelsorger, ein Physiotherapeut (seit Geburt blind).

Die Profilerinnen und Profiler haben jeweils zwei Interviewgäste befragt - entweder durch einen Sichtschutz oder Blindheit voneinander getrennt. Darauf folgte dann eine Einschätzung. Die zwölf Interviewgäste mussten eine kurze Selbstbeschreibung einsprechen. Aus den Einschätzungen und Selbstbeschreibungen entstanden die Hörportraits.

 

Ein Filmteam hat die Interviews begleitet. Daraus entstand ein spannender 17-Minuten-Dokumentarfilm mit Untertiteln.

 

Im zweiten Schritt hat die Künstlerin Meike Hahnraths die 12 Interviewgäste mit der Fotokamera portraitiert. „Diese beiden Shooting-Wochenenden waren für mich intensiv, anregend und einfach fabelhaft! Endlich hatte ich ausreichend Zeit, mich ungestört und in Ruhe mit diesen interessanten Frauen und Männern auszutauschen.“

 

Die Kopfkino-Ausstellungen

 

Das Notizbuch, das in der Ausstellung erhältlich ist, begleitet die Besucher. Es ist wichtig: Hier werden die gehörten Informationen, Gedanken und inneren Bilder eingetragen - und Sympathiepunkte vergeben. Im Notizbuch stehen viele Infos und Denkanstöße – und verdeckt hinter einer Klappe: die Auflösungen!

 

Im ersten Teil der Ausstellung steht der Besucher vor zwölf schwarzen Bilder - den Hörportraits. Dahinter verbergen sich die 12 Interviewgäste, die noch nicht zu sehen, aber über die Selbstbeschreibung und die Einschätzung der Profilerinnen und Profiler zu hören sind. Der Besucher entwickelt so in seinem 'Kopfkino' zunächst eine Vorstellung der Person. Im Notizbuch können die Besucher*innen zu jedem Hörportrait Informationen, Assoziationen und Ideen notieren und Bewertungen ankreuzen: 1) sehr anziehend oder 2) sympathisch oder 3) neutral oder 4) unsympathisch.

 

Im zweiten Teil der Ausstellung sind die großformatigen schwarz-weiß Fotoportraits der 12 Interviewgäste zu sehen. Außerdem sind im Notizbuch zusätzlich weitere Facetten der Interviewgäste abgebildet, denn zwei Bilder sagen mehr aus, als eins. Die Besucher*innen notieren im Notizbuch wieder Gedanken, Bilder und Ideen und können auch die Fotoportraits anhand der vier Kategorien bewerten. Jetzt sollen die Besucher*innen herausfinden, welche Hör- und Fotoportraits zusammenpassen.

 

Im dritten Teil der Ausstellung zeigt ein ein Dokumentarfilm wie die Hörportraits entstanden sind.

 

 

 

Barrierefreiheit

 

Zu allen Fotoportraits hat Meike Hahnraths Bildbeschreibungen formuliert und für sehbe-hinderte Ausstellungsbesucher eingesprochen. Auch Informationen zum Projekt und zur Ausstellung wurden von ihr aufgenommen. Die Audiofiles können in der Ausstellung abgerufen und angehört werden.

 

Informationen zum Projekt und zur Ausstellung und alle Hörportraits wurden für hörbehinderte Besucher in Gebärdensprache übersetzt und laufen als Videoclips in der Ausstellung.

 

Technik

Das Projekt bringt zu jeder Ausstellung sein eigenes WLAN mit. So wäre theoretisch eine Ausstellung ‚auf der grünen Wiese mit Strom‘ möglich und kein Besucher muss ins Internet gehen, eine App herunterladen oder Datenvolumen verbrauchen. Die Audiodateien, also die Hörportraits - und die Bildbeschreibungen für sehbehinderte Besucher - können unkompliziert auf das eigene Mobiltelefon kopiert und nach dem Ausstellungsbesuch wieder gelöscht werden.

 

Jeder Besucher bringt also sein Handy mit – im besten Fall mit eigenen Kopfhörern.

 

Es wird aber auch eine kleine Anzahl konfektionierter mp3-Player verliehen – für alle, die ihr Handy vergessen haben oder die angebotene Technik nicht nutzen wollen oder können.

Die mp3-Player werden in Sterilisationsboxen für den nächsten Nutzer sterilisiert.

 

Aus Hygienegründen können Kopfhörer (Klinkenstecker) zu den mp3-Playern und fürs eigene Handy nur verkauft werden; Preis 2,-€.

 

 

Schirmherrschaften
 

Schirmherrin: Shary Reeves,

Moderatorin, Autorin, Schauspielerin & Produzentin

 

Schirmherr: Jürgen Dusel,

Beauftragter der Bundesregierung für die Belange von Menschen mit Behinderungen

 

 

Förderer

 

Berufsförderungswerk / BFW gGmbH, Düren  

Kämpgen Stiftung, Köln

Herbert-Funke-Stiftung, Berlin

Kulturbüro der Stadt Mönchengladbach

KSL. NRW

Kompetenzzentrum Selbstbestimmt Leben für Menschen mit Sinnesbehinderung

SignGes

Kompetenzzentrum für Gebärdensprache und Gestik, RWTH Aachen