Über das Projekt

Ich heiße Meike Hahnraths. Ich arbeite als Interaktionskünstlerin und Fotografin. Inspiriert durch die Begegnung mit stark sehbehinderten und blinden Menschen in meinem Kunstprojekt 'Schubladen', reifte ab Sommer 2019 in meinem Kopf die Idee für das interaktive, inklusive und experimentelle Kunstprojekt Kopfkino.

Bildbeschreibung: Schwarz-weiß-Foto. Hier ist wieder der Frauenkopf von der Startseite zu sehen. Diesmal aber ohne das bunte Mosaik, bzw. 'Kopfkino', über ihrer Stirn. Ihre Augen sind aber verbunden. Sie macht einen Kussmund. Die Haare sind hell und kinnlang, ihre linke Hand ist um den Hals gelegt und verschwindet unter den Haaren. Bunte Worte sind um ihren Kopf angeordnet. Sie lauten: Träume, Ideale, Wertung, Idole, Schubladen, Ängste, Erfahrungen, Stereotype, Vorurteile, Ablehnung, Projektion, Klischees, Sicherheit, Wunschvorstellung und Erkenntnis.

Bildbeschreibung: Wieder ist die schwarz-weiß-Aufnahme des Frauenkopfes von der Einstiegsseite zu sehen. Diesmal aber ohne die Konfetti-Explosion mit dem Wort 'Kopfkino'. Dafür sind verschiedene bunte Begriffe um ihren Kopf angeordnet. Sie lauten: Träume, Ideale, Wertung, Idole, Schubladen, Ängste, Stereotype, Erfahrungen, Vorurteile, Ablehnung, Projektion, Klischees, Sicherheit, Wunschvorstellung, Erkenntnis.

Die Schubladen-Ausstellung machte 2019 auch Station im Berufsförderungswerk (BFW) in Düren. Unter den Exponaten hingen QR-Codes mit den jeweiligen Bildbeschreibungen.

Bildbeschreibung: Eine Frau und ein blinder junger Mann stehen vor einem Portrait. Die Frau hält ein Handy hoch. Die beiden hören sich über die 'Voice-over-Funktion' die Bildbeschreibung an, die sie über den QR-Code erhalten haben.

Bildbeschreibung: Eine Frau und ein Mann mit Blindenstock stehen vor Portraitbildern der Schubladen-Ausstellung.

Bildbeschreibung: Man erkennt unter dem Portrait u. a. eine Tafel mit zwei QR-Codes für die blinden Ausstellungsbesucher. Dahinter verbergen sich die Bildbeschreibungen

Sehende Menschen wissen zu wenig über den Alltag stark sehbehinderter oder blinder Menschen; über deren Wahrnehmungs- und Vorstellungs-ebenen. Obwohl sie nur aus einer anderer Perspektive, auf einer anderen Ebene, wahrnehmen, wird blinden Menschen sehr oft unterstellt, dass sie andere nur 'mangelhaft' erfassten. Dabei stützen sich sehende Menschen oft nur auf optische Informationen, bewerten Äußerlichkeiten stark, statt sich auf Werte zu konzentrieren, die langfristig von Bedeutung sind. Sie nutzen seltener andere Sinne und Informationsquellen. Das alles kann zu Benachteiligung, Fehleinschätzung und Diskriminierung führen.

 

Vor mir lag also ein ganzes Themenbündel. Und so hatte ich über Monate Kopfkino, bis ich genau wußte, wie und wohin die Reise gehen sollte!  

Dieses Projekt ist neu. Bisher gibt es kein vergleichbares, interaktives, inklusives und experimentelles Kunstprojekt.   

Sehende sollen sich 'ein Bild' von Menschen machen, ohne sie zu sehen. So, wie blinde Menschen das auch müssen. Sozusagen in Teilen ein blindes Kunst-Projekt für Sehende. Oder anders formuliert: Ein Kunstprojekt, bei dem in Teilen der Ausstellung sehbehinderte, blinde und sehende Menschen gleiche Bedingungen vorfinden. Sie alle werden Menschen hören, aber nicht sehen können! Gleichzeitig soll das Kunstprojekt aber auch dabei helfen, interaktiv Vorurteile gegen Mitmenschen abzubauen, Stereotype zu hinterfragen und den Blick für eine offene und tolerante Sicht auf unsere Gesellschaft zu schärfen.

Ideale

Träume

Wertung

Idole

Schubladen

Ängste

Vorurteile

Stereotype

Projektion

Ablehnung

Klischees

Erfahrungen

Sicherheit

vorstellung

Wunsch-

Erkenntnis

Um das umsetzen zu können, habe ich mir einen buntes Team an Profiler*innen und Interviewgästen gesucht. 2020 war es dann so weit: Drei blinde und drei sehende Profiler*innen begegneten zwölf Gästen in den Interviews. Durch Blindheit oder Sichtschutz voneinander getrennt, konnten die Profiler*innen Informationen erfragen, um Einschätzungen für jeweils zwei Gäste abzugeben. Wer wen befragte, wurde im Vorfeld festgelegt. Das war aufregend, emotional, spannend und überraschend!

 

Diese 'blinden' Interviews sind in einem Dokumentarfilm festgehalten, der in der Ausstellung zu sehen und zu hören ist. Daraus zeigen wir hier auf der Webseite unter 'Film' kurze Passagen, die wir zu einem Trailer zusammengefügt haben.

Alle Interviewgäste und Profiler*innen wurden mit der Fotokamera portraitiert. Auch das waren sehr spannende Tage. Die Begegnung mit all diesen unterschiedlichen Menschen war inspirierend und wundervoll. Ab Mai 2021 wird KOPFKINO ausgestellt und die  Besucher können ihre Vorstellungen zu den Hörportraits mit ihren Bewertungen der Fotoportraits abgleichen. Alles dazu findest Du oben im Menü unter 'Ausstellung' und 'Dein Besuch'.

 

Der Ausstellungsbesuch wirft ganz bestimmt viele interessante Fragen auf, zum Beispiel:

Wie mache ich mir ein Bild von einem Menschen, ohne ihn zu sehen? Wen finde ich weshalb sympathisch und wen nicht?

Wenn ich in meinem Kopfkino eine Vorstellung von einem Menschen entwickelt habe - werde ich ihn später auf einem Foto wiedererkennen können? 

Mache ich Unterschiede in der Bewertung eines Menschen, nur weil ich sein Äußeres kenne bzw. weil ich Äußerlichkeiten anders, vielleicht sogar stärker, bewerte?

Welche Eigenschaften sind mir an Menschen besonders wichtig?

Wenn ich einen beschriebenen Menschen in meiner Vorstellung symphatisch finde, werde ich ihn später auf dem Portraitfoto - wenn es also um Äußerlichkeiten geht - auch noch mögen?

Wie hilfreich ist das Urteil eines Dritten? Wie treffend sind seine Einschätzung und Beschreibung? Sollte ich mich besser nur auf mein eigenes Urteil verlassen?

Macht es einen signifikanten Unterschied, ob ein Profiler blind oder sehend ist?

Stellen weibliche Profiler andere Fragen, als ihre männlichen Kollegen?