Über das Projekt

Ich bin Interaktionskünstlerin. Inspiriert durch die Begegnung mit stark sehbehinderten und blinden Menschen im Laufe meines Kunstprojektes 'Schubladen', reifte in meinem Kopf die Idee für das neue inklusive, interaktive und experimentelle Kunstprojekt: Kopfkino.

Die Schubladen-Ausstellung

machte 2019 auch Station im Berufsförderungswerk (BFW)

in Düren

Organisch sehende Menschen wissen zu wenig über den Alltag eines blinden Menschen; über seine Wahrnehmungs- und Vorstellungsebenen. Sehende Menschen stützen sich häufig primär auf optische Informationen, bewerten Äußerlichkeiten, statt sich auf Werte zu fokussieren, die langfristig Bedeutung haben. Sie nutzen weniger andere Sinne und Informationsquellen. All das führt immer wieder zu Benachteiligung, Fehleinschätzung und Diskriminierung.

 

Vor mir lag also ein ganzes Themenbündel. Und so hatte ich über Monate Kopfkino, bis ich genau wußte, wie und wohin die Reise gehen sollte!

Dieses Projekt ist neu. Bisher gibt es kein vergleichbares, interaktives, inklusives und experimentelles Kunstprojekt.

Sehende sollen sich 'ein Bild' von Menschen machen, ohne sie zu sehen. So, wie blinde Menschen das auch müssen. Sozusagen in Teilen ein blindes Kunst-Projekt für Sehende. Oder anders formuliert: Ein Kunstprojekt, bei dem im ersten Teil der Ausstellung sehbehinderte, blinde und sehende Menschen gleiche Bedingungen haben. Sie alle werden Menschen hören, aber nicht sehen können! Gleichzeitig soll das Kunstprojekt aber auch dabei helfen, interaktiv Vorurteile abzubauen, Stereotype zu hinterfragen und den Blick für eine offene und tolerante Sicht auf unsere Gesellschaft zu schärfen.

Ideale

Träume

Wertung

Idole

Schubladen

Ängste

Vorurteile

Stereotype

Projektion

Ablehnung

Klischees

vorstellung

Wunsch-

Erfahrungen

Um das umsetzen zu können, habe ich mir einen buntes Team an Profilern und Interviewgästen gesucht. 2020 war es dann so weit: Drei blinde und drei sehende Profiler begegneten zwölf Gästen in den Interviews. Durch Blindheit oder Sichtschutz voneinander getrennt, konnte jeder Profiler Informationen erfragen, um seine Einschätzungen für zwei Gäste abzugeben. Wer wen befragte, wurde im Vorfeld festgelegt. Das war aufregend, emotional, spannend und auch überraschend!

 

Diese 'blinden' Interviews sind in einem Dokumentarfilm festgehalten, der in der Ausstellung und auch in Ausschnitten hier auf der Webseite zu sehen und zu hören ist.

Alle Interviewgäste und Profiler wurden mit der Fotokamera portraitiert. Auch das waren spannende Tage. Die Begegnung mit diesen unterschiedlichen Menschen war inspirierend und wundervoll.

 

Ab März 2021 wird KOPFKINO ausgestellt und die  Besucher können ihre Kopfkino-Bilder zu den Hörportraits mit ihren Eindrücken zu den Fotoportraits abgleichen. Alles dazu findest Du oben im Menü unter 'Ausstellung'.

 

Der Ausstellungsbesuch wirft ganz bestimmt viele interessante Fragen auf:

Wie mache ich mir ein Bild von einem Menschen, ohne ihn zu sehen? Wen finde ich weshalb sympathisch und wen nicht?

Wenn ich in meinem Kopfkino eine Vorstellung von einem Menschen entwickelt habe - werde ich ihn später auf einem Foto wiedererkennen können? 

Mache ich Unterschiede in der Bewertung eines Menschen, nur weil ich sein Äußeres kenne bzw. weil ich Äußerlichkeiten anders, vielleicht sogar stärker, bewerte?

Welche Eigenschaften sind mir an Menschen besonders wichtig?

Zeichnung bunt.jpg

Wenn ich einen beschriebenen Menschen in meiner Vorstellung symphatisch finde, werde ich ihn später auf dem Portraitfoto - wenn es also um Äußerlichkeiten geht - auch noch mögen?

Wie hilfreich ist das Urteil eines Dritten? Wie treffend sind seine Einschätzung und Beschreibung? Sollte ich mich besser nur auf mein eigenes Urteil verlassen?

Macht es einen signifikanten Unterschied, ob ein Profiler blind oder sehend ist?

Stellen weibliche Profiler andere Fragen, als ihre männlichen Kollegen?